Was ist Leben? Das Leben wird von jedem Mensch, wenn auch nur geringfügig, anders definiert. Um eine für sich selbst stimmige Definition zu finden, sollten die gängigsten Gedankengänge aufgeführt werden. Sicherlich wird es niemals eine für jeden allgemein gültige Erklärung des Wortes oder Zustandes Leben geben, aber viele eine Annährung daran.
Naturwissenschaftlich gesehen ist Leben genau definiert. Etwas oder jemand lebt genau dann, wenn er die Kennzeichen des Lebens aufweist:
Nach dieser Definition könnte man eindeutig zwischen Leben und eben nicht leben unterscheiden.
Viele Menschen aber setzen etwas anderes voraus, etwas, das sie als Seele bezeichnen. Seele ist wieder ein sehr dehnbarer und vielseitiger, deshalb auch schwammiger Begriff. Eine Seele könnte etwas Inneres, eine eigene Form von Charakter, beschreiben. Aber wenn man dann von der Seele eines alten Gemäuers oder eines alten Buches spricht – bedeutet das dann, dass man sich über ein lebendiges Wesen unterhält?

Was ist Leben
So ähnlich verhält es sich auch mit dem Zusammenhang der Worte ,,existieren” und ,,leben” : Manch einer behauptet, dass ein depressiver und unglücklicher Mensch nicht mehr am Leben sei. Er existiere nur noch. Das steht, wie auch schon die Koppelung des Lebens an eine Seele, in einem unlösbaren Widerspruch zur Biologie.
Außerdem wirft es große ethische Konflikte auf: Es würde den Umgang mit und zwischen Menschen verändern, wenn einer Person der Status des Lebenden entzogen würde. Könnte man daraus schließen, dass derjenige vogelfrei ist, man ihm also alles antun kann, ohne Gewissensbisse haben zu müssen, weil dieser Jemand gar nicht mehr lebt?
Die Religionen liefern ebenfalls, wie soll es anders sein, Erklärungen auf diese Fragen. Die Weltreligionen lehren das Dogma des ,,ewigen” ,,Leben nach dem Tod” . Beweisbar ist das nicht. Aber es würde den Erklärungsansatz bekräftigen, dass eine Seele das Lebenskennzeichen ist. Denn die Seele lebt ja weiter, nicht der Körper, der nun zur bloßen Hülle wird.
Nach diesen Versuchen, den Lebensbegriff überhaupt greifbar zu machen, wäre die Frage legitim, wozu das notwendig ist. Die Notwendigkeit besteht darin, dass der Mensch zufriedener ist, wenn er ihn selbst betreffende Umstände und Zusammenhänge erkennt und seinen Schlüssen entsprechend handeln kann. Das wiederum ist hilfreich für unsere ganze Gesellschaft. Ein Mensch, der den Sinn seines Daseins ergründet hat, lebt danach anders. Er setzt sich mehr für sich und andere ein und wird für sein Ziel entbehren, was er kann.
Im Vergleich dazu ist die Frage ,,Weshalb bin ich eigentlich hier und was mache ich hier?” kontraproduktiv (zumindest, wenn sie aus einer pessimistischen Einstellung herrührt) : Sie steht nicht nur dem persönlichen Glück dieses einen Menschen im Weg, sie hemmt seinen Geist, seinen Tatendrang.
Ein Mensch, eine Familie, eine Gesellschaft und ein Volk könnten sich so nicht entwickeln. Weshalb sollte jemand zur Schule gehen und studieren, geschweige denn arbeiten, wenn sein Dasein dem eines Gegenstandes äquivalent ist? Ein Gegenstand wird geschaffen und genutzt, er wird beschädigt, verliert seinen Nutzen und wird zerstört. Wenn Menschen sich selbst genauso sähen, gäbe es keinen Grund, ihr Dasein und das ihrer Art fortzusetzen.
Der einzige von der Naturwissenschaft gefundene Sinn des Lebens ist die Erhaltung der eigenen Art. Anderen Zwecken scheint das Leben als solches nicht zu dienen.
Persönlich jedoch kann ein Leben sehr viel verändern und prägen, wie man an prominenten Wissenschaftlern, Künstlern und Politikern erkennen kann.
Also was ist Leben?
Ein Zustand, einstellungsabhängig, sinnlos, ewig?
Das lässt sich niemals vollkommen klären, es sei denn, die Forschung findet eine Universalerklärung oder ein Theologe bekommt eine transzendente Offenbarung. Doch bis zur endgültigen Lösung dieses begrifflichen Problems werden wir und wohl ein eigenes Weltbild kreieren müssen.
